PQQ: Wirkung, Studienlage und die 20-Milligramm-Grenze

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PQQ steht für Pyrrolochinolinchinon, ein redoxaktives Chinon, das in Zellversuchen die Bildung neuer Mitochondrien anstößt. In der EU ist ausschließlich das Dinatriumsalz zugelassen, als neuartiges Lebensmittel, für Erwachsene, mit höchstens 20 mg pro Tag. Schwangere und Stillende sind ausgenommen. Belastbare Humanstudien gibt es bislang wenige und mit kleinen Teilnehmerzahlen.

Was PQQ ist, und warum es kein Vitamin ist

Pyrrolochinolinchinon wurde 1979 als Cofaktor bakterieller Enzyme beschrieben. Es gehört zu den Chinonen, einer Stoffklasse, die Elektronen aufnehmen und wieder abgeben kann. Genau diese Eigenschaft macht PQQ interessant: Ein Molekül, das reduziert und wieder oxidiert werden kann, ohne dabei zu zerfallen, taugt als Coenzym in Redoxreaktionen.

Sie lesen häufig, PQQ sei ein Vitamin. Das ist eine Verkürzung. Der Vorschlag, PQQ als neues B-Vitamin für Säugetiere einzustufen, wurde 2003 gemacht und danach fachlich bestritten. Bis heute gibt es beim Menschen kein beschriebenes Mangelsyndrom, keine Referenzzufuhr der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und keinen anerkannten Statusmarker im Blut. In den Nährstofftabellen taucht PQQ nicht auf. Es ist ein bioaktiver Stoff, kein essenzieller Nährstoff.

Die Benennung ist im Handel trotzdem streng geregelt. Was in Deutschland verkauft wird, muss auf dem Etikett „Pyrrolochinolinchinon-Dinatriumsalz“ heißen. Diese Bezeichnung ist keine Marketingentscheidung des Herstellers, sondern in der EU-Verordnung festgeschrieben, die das Produkt überhaupt erst verkehrsfähig gemacht hat.

Wie PQQ in der Zelle wirkt

Die meistzitierte Arbeit stammt von Winyoo Chowanadisai und Kollegen, 2010 im Journal of Biological Chemistry erschienen. Sie ist eine Zellkulturstudie, kein Menschenversuch: Mäuse-Leberzellen der Linie Hepa1-6 wurden 24 bis 48 Stunden lang mit 10 bis 30 Mikromol PQQ pro Liter behandelt.

DER SIGNALWEG, DEN DIE ZELLSTUDIE BESCHREIBT

PQQ im Zellmedium, 10 bis 30 µmol/l
Phosphorylierung von CREB an Serin 133
Aktivierung des PGC-1α-Promotors, mehr PGC-1α
NRF-1, NRF-2 und Tfam steigen
Mehr mitochondriale DNA, höhere Zellatmung
Schaltet man PGC-1α oder CREB per siRNA aus, bleibt der Effekt aus. Das ist der stärkste Teil des Belegs, und er stammt aus Mäusezellen, nicht aus Menschen.

Gemessen wurden nach der Behandlung mehr Citratsynthase- und Cytochrom-c-Oxidase-Aktivität, mehr mitochondriale DNA und ein höherer Sauerstoffverbrauch der Zellen. In derselben Arbeit schützte PQQ die Zellen gegen vier Mitochondriengifte, darunter Rotenon und Antimycin A, also gegen oxidativen Stress unter Laborbedingungen. Das ist der Kern dessen, was unter dem Stichwort mitochondriale Biogenese überall zitiert wird.

Was diese Studie nicht zeigt: dass dasselbe im Menschen passiert, wenn Sie eine Kapsel schlucken. Die eingesetzten Konzentrationen im Zellmedium lassen sich nicht direkt in eine Tagesdosis übersetzen, und die Leberzelle einer Maus ist kein Muskelgewebe eines Erwachsenen. Die Übersichtsarbeit von Tao Yan und Kollegen aus dem Jahr 2024 fasst das Feld zusammen und benennt dieselbe Lücke: Die Belege zu Zellstoffwechsel, oxidativem Stress und Alterung stammen überwiegend aus Zell- und Tiermodellen, die klinischen Daten sind klein und heterogen.

Was die Studien am Menschen tatsächlich gemessen haben

Es gibt zwei Arbeiten, die Sie kennen sollten, weil sie den Stand der Humandaten recht genau abbilden.

Die erste stammt von Calliandra Harris und Kollegen, 2013 im Journal of Nutritional Biochemistry. Zehn Personen, fünf Frauen und fünf Männer, im Cross-over-Design. In einem ersten Teil erhielten sie eine Einzeldosis von 0,2 mg PQQ je Kilogramm Körpergewicht, in einem zweiten Teil 0,3 mg je Kilogramm täglich über 76 Stunden. Nach der täglichen Gabe sanken das C-reaktive Protein und Interleukin-6 im Plasma signifikant, ebenso methylierte Amine im Urin wie Trimethylamin-N-Oxid. Die üblichen klinischen Werte, Cholesterin, Glukose, Triglyzeride, blieben unverändert.

Zehn Teilnehmer sind eine sehr kleine Zahl. Die Arbeit war explizit als erste Übertragung tierexperimenteller Befunde auf den Menschen angelegt, nicht als Nachweis einer Wirkung im Alltag.

Die zweite ist neuer und methodisch stärker: Sergej Baltic und Kollegen, 2024 im Journal of Nutrition, Health & Aging. Randomisiert, placebokontrolliert, doppelblind, 34 ältere Menschen mit leichter kognitiver Störung, Durchschnittsalter 71,9 Jahre, 28 davon Frauen. Über sechs Wochen erhielten sie zweimal täglich eine Kombination aus wasserstoffbildenden Mineralien und PQQ oder ein Placebo. Der BDNF-Spiegel im Serum stieg in der Verumgruppe signifikant an, in der Placebogruppe nicht. Im ADAS-Cog-Test zeigte sich ein Vorteil in der Domäne Orientierung.

Ein wichtiger Vorbehalt: In dieser Studie wurde PQQ zusammen mit Wasserstoffdonatoren gegeben. Welcher Anteil des Effekts auf PQQ entfällt, lässt sich aus dem Design nicht beantworten. Und die Interaktion zwischen Zeit und Intervention beim BDNF verfehlte die Signifikanz. So sieht der belastbare Teil der Humanevidenz aus: klein, kurz, teils in Kombinationen, mit Signalen statt Nachweisen.

Woran würden Sie erkennen, dass sich das ändert? An drei Dingen. An Teilnehmerzahlen im dreistelligen Bereich statt bei zehn oder vierunddreißig. An Laufzeiten von mindestens drei bis sechs Monaten statt sechs Wochen. Und an Endpunkten, die für Sie spürbar sind, etwa Gehstrecke, Schlafqualität oder ein validierter Fragebogen, statt eines Laborwerts, dessen Veränderung im Alltag niemand bemerkt. Solange diese drei Bedingungen fehlen, bleibt PQQ ein interessanter Kandidat der Mitochondrienforschung, dessen Nutzen für gesunde Erwachsene im Alltag offen ist. Diese Einschätzung teilt auch die Übersichtsarbeit von 2024, die ausdrücklich weitere Arbeiten zur optimalen Menge und zur Langzeitsicherheit fordert.

PQQ und Coenzym Q10: worin sie sich unterscheiden

Diese Frage wird in Deutschland häufiger gestellt als jede andere zu PQQ, weil beide Stoffe als Chinone in der Energiegewinnung auftauchen und weil sie oft als Kombiprodukt verkauft werden. Sie sind trotzdem nicht austauschbar. Ein drittes Molekül aus derselben Ecke, NAD+, wird ähnlich beworben und ist beim Menschen ähnlich dünn belegt.

PQQCoenzym Q10
StoffklassePyrrolochinolinchinon, ein wasserlösliches ChinonUbichinon, ein fettlösliches Chinon mit langer Isoprenkette
Körpereigene Bildungkeine bekannte Synthese beim Menschenwird vom Körper selbst gebildet
Ort der FunktionSignalwege im Zytoplasma und Zellkern, unter anderem CREB und PGC-1αElektronentransport in der inneren Mitochondrienmembran
Beschriebener AnsatzAnstoß zur Bildung neuer Mitochondrien in ZellversuchenBetrieb der bestehenden Atmungskette
Redoxstabilitätübersteht im Laborversuch sehr viele Zyklen, ohne zu zerfallenwird verbraucht und muss regeneriert werden
Rechtsstatus in der EUneuartiges Lebensmittel, Höchstmenge 20 mg/Tag, nur für Erwachseneseit langem als Nahrungsergänzung verkehrsfähig, keine EU-weite Höchstmenge
Zugelassene Gesundheitsaussagekeinekeine

Die letzte Zeile überrascht viele. Weder für PQQ noch für Coenzym Q10 hat die EFSA eine Gesundheitsaussage zugelassen. Alles, was Sie auf Verpackungen und Shopseiten über Energie, Zellschutz oder Leistungsfähigkeit lesen, stützt sich entweder auf zugesetzte Vitamine im selben Produkt oder bewegt sich außerhalb des Erlaubten. Dieselbe Konstruktion finden Sie bei Lutein: Auf der Packung steht der zugelassene Hinweis zu Vitamin A oder Zink, weil für den Hauptbestandteil keine Angabe existiert.

In welchen Lebensmitteln PQQ vorkommt

Die Referenzmessung ist alt und immer noch die beste: Takashi Kumazawa und Kollegen wiesen 1995 im Biochemical Journal freies PQQ mit Gaschromatographie und Massenspektrometrie in Lebensmitteln nach. Sie fanden es in jeder untersuchten Probe, in einer Spanne von 3,7 bis 61 Nanogramm pro Gramm oder Milliliter. Die höchsten Werte lagen bei fermentierten Sojaprodukten, Petersilie, grünem Tee und grünem Paprika.

Frische Brokkoliröschen in einer weißen Schale, umgeben von einzelnen Röschen und Kohlblättern auf rosafarbenem Untergrund
Grünes Gemüse, Kräuter und grüner Tee gehören zu den Lebensmitteln, in denen PQQ überhaupt nachweisbar ist. Die Mengen bewegen sich im Nanogrammbereich pro Gramm.

Die Autoren wiesen darauf hin, dass die PQQ-Werte in menschlichen Geweben und Körperflüssigkeiten fünf- bis zehnmal niedriger liegen als in den Lebensmitteln. Daraus schlossen sie, dass das PQQ im Körper zumindest teilweise aus der Nahrung stammt.

Für die Praxis ist der Größenunterschied das Entscheidende. Die EFSA hat 2017 berechnet, dass die zugelassene Höchstmenge von 20 mg pro Tag mindestens das 250-Fache der geschätzten Zufuhr aus normalen Lebensmitteln beträgt. Wer eine Kapsel nimmt, verlässt also den Bereich, in dem PQQ überhaupt in der Ernährung vorkommt.

GRÖSSENORDNUNGEN DER PQQ-ZUFUHR

NahrungHöchstmenge im Nahrungsergänzungsmittel
Gehalt in Lebensmitteln:
3,7 bis 61 ng je Gramm
Geschätzte übliche
Tageszufuhr
Zugelassene Höchstmenge:
20 mg pro Tag
NOAEL aus der
90-Tage-Studie
Die EFSA beziffert den Abstand zwischen üblicher Ernährung und Höchstmenge auf mindestens das 250-Fache. Die Skala ist nicht maßstabsgetreu.

Was in Deutschland und der EU erlaubt ist

Wenn Ihnen aufgefallen ist, dass praktisch jedes PQQ-Produkt im deutschen Handel genau 20 mg pro Kapsel enthält, hat das einen einzigen Grund, und der steht in keinem der Ratgebertexte, die zu diesem Stichwort ranken.

Die Durchführungsverordnung (EU) 2018/1122 der Kommission vom 10. August 2018 hat Pyrrolochinolinchinon-Dinatriumsalz als neuartiges Lebensmittel zugelassen. Die Zulassung ist eng gefasst:

  • Zugelassene Lebensmittelkategorie: Nahrungsergänzungsmittel für Erwachsene im Sinne der Richtlinie 2002/46/EG, ausgenommen solche für Schwangere und Stillende.
  • Höchstmenge: 20 mg pro Tag.
  • Bezeichnung auf dem Etikett: „Pyrrolochinolinchinon-Dinatriumsalz“, verpflichtend.
  • Pflichthinweis: „Dieses Nahrungsergänzungsmittel sollte nur von Erwachsenen, mit Ausnahme von Schwangeren und Stillenden, verzehrt werden.“

Die Zahl 20 ist also keine Empfehlung aus einer Wirksamkeitsstudie. Sie ist die Obergrenze, bis zu der die Behörde das Produkt für sicher hält. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie oft als Dosierungsempfehlung gelesen wird. Bei spermidinreichem Weizenkeimextrakt ist es genauso: Die zugelassenen 6 mg pro Tag sind eine Obergrenze und keine in einer Studie geprüfte Wirkmenge.

Der zugrunde liegende Sicherheitsbericht der EFSA aus dem Jahr 2017 nennt die Zahlen dahinter. Der No-Observed-Adverse-Effect-Level aus einer 90-tägigen Fütterungsstudie lag bei 100 mg je Kilogramm Körpergewicht und Tag. Die vorgeschlagene Höchstmenge von 20 mg entspricht bei einer Person mit 70 kg einer Aufnahme von 0,29 mg je Kilogramm. Daraus ergibt sich eine Sicherheitsmarge von 344. Das Panel hielt diese Marge für ausreichend und stufte den Stoff unter den beantragten Bedingungen als sicher ein.

Beachten Sie den Wortlaut. Die EFSA hat die Sicherheit beurteilt, nicht die Wirksamkeit. Eine Zulassung als neuartiges Lebensmittel sagt nichts darüber aus, ob der Stoff etwas bewirkt.

Woran Sie ein verkehrsfähiges Produkt erkennen

Weil PQQ ein neuartiges Lebensmittel ist und keine gewachsene Pflanze, hängt die Verkehrsfähigkeit an der Herstellung. Das ist ungewöhnlich, und es gibt Ihnen ein brauchbares Prüfraster.

Bewertet wurde ein Stoff, der durch Fermentation mit dem Bakterium Hyphomicrobium denitrificans, Stamm CK-275, gewonnen und anschließend aufgereinigt wird. Die Mindestreinheit liegt bei 99,0 Prozent. Angaben zu Zusammensetzung, Spezifikation, Schwankungen zwischen den Chargen, Stabilität und Herstellungsverfahren hielt das EFSA-Gremium für ausreichend und ohne Sicherheitsbedenken. Anders gesagt: Der Sicherheitsbefund gilt für dieses Verfahren und diese Reinheit, nicht für Pyrrolochinolinchinon im Allgemeinen.

Daraus ergeben sich vier Merkmale, die ein Produkt im deutschen Handel erfüllen sollte:

  • Die Bezeichnung. Auf dem Etikett muss „Pyrrolochinolinchinon-Dinatriumsalz“ stehen. Ein Produkt, das nur mit dem Kürzel PQQ oder mit einem Fantasienamen auskommt, entspricht der Verordnung nicht.
  • Die Menge. Die Tagesportion liegt bei höchstens 20 mg. Höhere Angaben auf der Packung sind ein Warnsignal, keine stärkere Formel.
  • Der Pflichthinweis. Der Satz zu Erwachsenen sowie Schwangeren und Stillenden muss vorhanden sein.
  • Die Form. Zugelassen ist das Dinatriumsalz. Andere Salze oder die freie Säure sind von dieser Zulassung nicht gedeckt.

Ein Produkt aus einem Nicht-EU-Shop kann all diese Punkte verfehlen, ohne dass Ihnen das beim Kauf auffällt. Die Zulassung als neuartiges Lebensmittel ist ein EU-Rechtsakt, kein weltweiter Standard, und der Import für den Eigenbedarf hebt die Vorgaben nicht auf.

Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und offene Fragen

Aus den vorliegenden Studien sind keine schweren unerwünschten Wirkungen berichtet worden. In der 90-Tage-Studie zeigten sich unterhalb von 100 mg je Kilogramm Körpergewicht keine schädlichen Effekte, und die Übersichtsarbeit von 2024 hält fest, dass in den bisherigen Untersuchungen weder Toxizität noch Genotoxizität aufgefallen sind.

Das heißt nicht, dass nichts vorkommt. Aus Anwenderberichten und kleinen Studien sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und Schlafstörungen bekannt, meist bei höheren Mengen. Weil PQQ die Zellatmung beeinflusst, wird gelegentlich eine Einnahme am Abend als ungünstig beschrieben. Belastbare Daten dazu gibt es nicht.

Vier Punkte, bei denen Zurückhaltung angebracht ist:

  • Schwangerschaft und Stillzeit. Hier ist die Sache eindeutig: Die EU-Zulassung schließt beide Gruppen ausdrücklich aus, und der Warnhinweis auf der Packung ist Pflicht.
  • Kinder und Jugendliche. Die Zulassung gilt für Erwachsene. Für Minderjährige liegen keine Daten vor.
  • Langzeitanwendung. Die längste kontrollierte Humanstudie in diesem Feld dauerte sechs Wochen. Über Monate oder Jahre ist nichts untersucht.
  • Kombinationen. PQQ wird häufig mit Coenzym Q10, Nicotinamid-Riboside oder Wasserstoffdonatoren verkauft. Für diese Mischungen existieren fast keine eigenen Sicherheitsdaten.

Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, bespricht die Einnahme mit der ärztlichen Praxis oder der Apotheke. Das ist keine Floskel: Für einen Stoff, dessen Aufnahme, Verteilung und Ausscheidung beim Menschen laut EFSA nur begrenzt untersucht sind, lassen sich Wechselwirkungen schlicht nicht vorhersagen.

Wenn Ihr Ausgangspunkt Erschöpfung, Gelenkbeschwerden oder ein entzündliches Geschehen ist, lohnt sich der Blick auf besser untersuchte Wege, bevor Sie zu einem Stoff mit zehn Studienteilnehmern greifen. Pflanzliche Polyphenole in üblicher Größenordnung, wie sie unsere Formel mit verbesserter Curcumin-Aufnahme verwendet, sind ungleich breiter untersucht, und für wiederkehrende Gelenkbeschwerden führt unsere Zusammenstellung für Gelenkbeschwerden die Bestandteile mit ihrer jeweiligen Datenlage auf.

Häufige Fragen zu PQQ

Was bewirkt PQQ im Körper?

In Zellversuchen stößt PQQ über die Phosphorylierung von CREB und die Aktivierung von PGC-1α die Bildung neuer Mitochondrien an. Am Menschen ist bislang wenig gemessen worden: In einer Studie mit zehn Teilnehmern sanken unter 0,3 mg je Kilogramm Körpergewicht täglich das C-reaktive Protein und Interleukin-6. Eine zugelassene Gesundheitsaussage gibt es in der EU nicht.

Was ist der Unterschied zwischen PQQ und Q10?

Coenzym Q10 ist ein fettlösliches Chinon, das der Körper selbst bildet und das in der Atmungskette Elektronen transportiert. PQQ ist wasserlöslich, wird vom Menschen nicht gebildet und wirkt in den beschriebenen Versuchen über Signalwege im Zellkern. Vereinfacht: Q10 betreibt die vorhandenen Mitochondrien, PQQ soll die Bildung neuer anstoßen. Für keinen der beiden Stoffe ist in der EU eine Gesundheitsaussage zugelassen.

Wie viel PQQ darf ein Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland enthalten?

Höchstens 20 mg pro Tag. Das legt die Durchführungsverordnung (EU) 2018/1122 vom 10. August 2018 fest, die Pyrrolochinolinchinon-Dinatriumsalz als neuartiges Lebensmittel zugelassen hat. Die Zulassung gilt nur für Nahrungsergänzungsmittel für Erwachsene und schließt Schwangere und Stillende aus. Auf dem Etikett muss die Bezeichnung „Pyrrolochinolinchinon-Dinatriumsalz“ stehen.

Welche Nebenwirkungen hat PQQ?

In den kontrollierten Studien sind keine schweren unerwünschten Wirkungen aufgetreten, und die 90-tägige Toxizitätsstudie fand unterhalb von 100 mg je Kilogramm Körpergewicht keine schädlichen Effekte. Berichtet werden vereinzelt Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und Schlafstörungen, überwiegend bei höheren Mengen. Die längste kontrollierte Humanstudie lief sechs Wochen, für längere Zeiträume fehlen Daten.

Dürfen Schwangere PQQ einnehmen?

Nein. Die EU-Zulassung nimmt Schwangere und Stillende ausdrücklich aus, und der Hinweis „Dieses Nahrungsergänzungsmittel sollte nur von Erwachsenen, mit Ausnahme von Schwangeren und Stillenden, verzehrt werden“ ist auf der Packung vorgeschrieben.

Welche Wirkung hat PQQ auf die Haut?

Zu diesem Punkt liegen fast ausschließlich Zellversuche und einzelne Tiermodellarbeiten vor, in denen PQQ oxidative Schäden an Hautzellen verringerte. Kontrollierte Studien am Menschen zur Hautalterung fehlen. Eine kosmetische oder gesundheitsbezogene Aussage dazu ist in der EU nicht zugelassen.

Kommt PQQ in Lebensmitteln vor?

Ja, in sehr kleinen Mengen. Die Referenzmessung von 1995 fand freies PQQ in jeder untersuchten Probe, in einer Spanne von 3,7 bis 61 Nanogramm pro Gramm. Die höchsten Werte lagen bei fermentierten Sojaprodukten, Petersilie, grünem Tee und grünem Paprika. Die zugelassene Höchstmenge im Nahrungsergänzungsmittel liegt nach EFSA-Berechnung mindestens 250-mal höher als die übliche Zufuhr aus der Ernährung.

Quellen

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Chowanadisai W, Bauerly KA, Tchaparian E, Wong A, Cortopassi GA, Rucker RB. Pyrroloquinoline quinone stimulates mitochondrial biogenesis through cAMP response element-binding protein phosphorylation and increased PGC-1alpha expression. Journal of Biological Chemistry, 2010, 285(1). DOI: 10.1074/jbc.M109.030130

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