Am Sprunggelenk laufen zwölf Sehnen in drei Gruppen: innen, außen und über dem Spann. Wo genau es schmerzt, bestimmt Diagnose und Behandlung. Die wichtigste ist die Sehne hinter dem Innenknöchel, weil ihr Ausfall die Form des Fußes dauerhaft verändert.
Ein Test, den keine deutschsprachige Seite zu diesem Thema nennt, klärt in zehn Sekunden, ob diese Sehne noch tut, was sie soll: der einbeinige Zehenstand, zehnmal, im Seitenvergleich.
Welche Sehnen um das Sprunggelenk laufen
Das obere Sprunggelenk selbst ist ein Scharnier zwischen Schienbein, Wadenbein und Sprungbein. Muskeln hat es keine. Alles, was es bewegt und stabilisiert, sitzt am Unterschenkel, und die Kraft wird über lange Sehnen übertragen, die eng um die Knöchel herumlaufen.
Diese Umlenkung ist die Schwachstelle. Wo eine Sehne um eine Knochenkante läuft, entsteht Druck und Reibung, und deshalb sitzen fast alle Sehnenprobleme des Sprunggelenks an genau diesen Umlenkpunkten. An diesen Stellen sind die Sehnen zudem von Gleitscheiden umgeben, weshalb hier tatsächlich von einer Sehnenscheidenentzündung gesprochen werden kann, genau wie bei der Sehnenentzündung im Handgelenk, wo fast alle Sehnen durch solche Scheiden laufen.
Drei Seiten, drei Sehnengruppen
Innenknöchel
Die Sehne des hinteren Schienbeinmuskels. Sie hält das Längsgewölbe. Ihr Ausfall ist die einzige Tendinopathie am Fuß, die die Fußform dauerhaft verändert.
Außenknöchel
Die beiden Peronealsehnen. Sie stabilisieren gegen Umknicken nach außen und werden nach Bänderverletzungen häufig überlastet.
Fußspann
Die Strecksehnen. Reizung meist durch Druck von zu fest geschnürten Schuhen oder durch viel Bergaufgehen.
Hinten, an der Ferse
Die Achillessehne. Sie gehört anatomisch dazu, wird aber als eigenes Krankheitsbild geführt und anders behandelt.
Innenknöchel: die Sehne, die man nicht übersehen darf
Die Sehne des hinteren Schienbeinmuskels läuft hinter dem Innenknöchel nach vorne unter den Fuß und zieht das Längsgewölbe nach oben. Sie arbeitet bei jedem Schritt, und sie ist die einzige Sehne am Fuß, deren Versagen die Fußform dauerhaft verändert.
Der Verlauf ist tückisch, weil er schleichend ist. Zunächst schmerzt es hinter dem Innenknöchel beim längeren Gehen, dann lässt die Kraft nach, und irgendwann bemerken Betroffene, dass der Fuß flacher wirkt und die Ferse nach außen kippt. Von außen betrachtet sieht man dann mehr Zehen als auf der gesunden Seite, wenn man den Fuß von hinten anschaut.
Der Zehnsekundentest, den kaum jemand kennt
An einer Wand abstützen
Beide Hände leicht an die Wand, nur zum Gleichgewicht. Das Körpergewicht bleibt auf den Beinen.
Auf ein Bein stellen
Das andere Bein anheben. Prüfen Sie zuerst die gesunde Seite, um Ihr eigenes Normalmaß zu kennen.
Auf die Zehenspitze gehen
Langsam die Ferse anheben, so hoch es geht. Achten Sie darauf, ob die Ferse dabei nach innen dreht.
Zehnmal wiederholen
Zehn saubere Wiederholungen auf einem Bein sind das Ziel. Wer weniger schafft oder die Ferse nicht nach innen bekommt, hat einen auffälligen Befund.
Beide Seiten vergleichen
Der Unterschied zwischen den Seiten sagt mehr als die absolute Zahl. Ein deutlicher Unterschied gehört in eine orthopädische Praxis.
Wenn dieser Test auf einer Seite deutlich schlechter ausfällt, gehört der Fuß untersucht, auch wenn der Schmerz erträglich ist. Eine Einlage, die das Längsgewölbe stützt und die Ferse aufrichtet, ist dann keine Bequemlichkeit, sondern der Versuch, eine Formveränderung aufzuhalten.
Außenknöchel: die Peronealsehnen
Hinter dem Außenknöchel laufen zwei Sehnen, die den Fuß nach außen drehen und gegen Umknicken sichern. Sie werden besonders häufig nach Bänderverletzungen überlastet: Wenn die Außenbänder geschwächt sind, übernehmen die Peronealsehnen deren Aufgabe mit, dauerhaft und ohne Pause.
Das erklärt, warum viele Menschen Monate nach einer verheilten Bänderdehnung immer noch Beschwerden haben, obwohl das Band längst in Ordnung ist. Behandelt wird hier nicht die Sehne allein, sondern die Stabilität des ganzen Gelenks, mit Gleichgewichtsübungen auf instabilem Untergrund.
Ein Sonderfall ist das Schnappen: Wenn die Sehnen bei bestimmten Bewegungen über den Knöchel springen, oft hörbar, liegt eine Instabilität ihres Halteapparats vor. Das ist keine reine Überlastung mehr und gehört fachärztlich beurteilt.
Fußspann: der Druck von oben
Über dem Spann laufen die Sehnen, die Fuß und Zehen anheben. Sie liegen dicht unter der Haut und werden vor allem durch Druck gereizt: zu fest geschnürte Wanderschuhe, ein Schnürsenkelknoten genau auf der Sehne, Skischuhe. Auch längeres Bergaufgehen belastet sie, weil sie den Fuß dabei ständig anheben müssen.
Diese Form ist die harmloseste der drei und bessert sich oft allein dadurch, dass die Schnürung geändert wird. Ein einfacher Trick besteht darin, die Schnürsenkel im Bereich der schmerzhaften Stelle über ein Ösenpaar zu überspringen.
| Schmerz sitzt | Was ihn verstärkt | Betroffene Sehne |
|---|---|---|
| Hinter dem Innenknöchel | Zehenstand, längeres Gehen, Tragen von Lasten | Tibialis posterior |
| Hinter dem Außenknöchel | Gehen auf unebenem Boden, Fuß nach außen drehen | Peronealsehnen |
| Auf dem Fußspann | Fest geschnürte Schuhe, Bergaufgehen | Strecksehnen des Fußes |
| Unter dem Innenknöchel, mit Kribbeln | Längeres Stehen, nachts in Ruhe | Keine Sehne, sondern eine Nervenenge im Tarsaltunnel |
| Vorne im Gelenkspalt, tief | Ganz in die Hocke gehen, bergab gehen | Keine Sehne, sondern das Gelenk selbst |
Wie behandelt wird
Die Therapie folgt bei allen drei Sehnengruppen demselben Aufbau, auch wenn die Übungen sich unterscheiden. Die erste Phase dauert etwa eine Woche und dient der Beruhigung. Die auslösende Belastung wird reduziert, nicht gestrichen: Gehen auf ebenem Boden in festen Schuhen ist erwünscht. Kühlung in kurzen Einheiten und ein entzündungshemmendes Gel dämpfen die Reizung, die in dieser Phase tatsächlich noch entzündlich ist.
Ab der zweiten Woche beginnt der Wiederaufbau. Zunächst mit Halteübungen ohne Bewegung, etwa dem Drücken des Fußes gegen ein Band nach innen oder außen, jeweils dreißig Sekunden gehalten. Dann mit langsamen Bewegungen gegen Widerstand, zuletzt mit Zehenständen und Belastung auf einem Bein.
Die Regel dabei ist immer dieselbe: Ein Schmerz während der Übung ist erlaubt, solange er am nächsten Morgen nicht schlechter ist. Wer darauf wartet, völlig schmerzfrei zu sein, bevor er belastet, wartet oft Monate umsonst, weil die Sehne ohne Belastung nicht umbaut.
Weil in den ersten Wochen tatsächlich eine entzündliche Reaktion abläuft, ergänzen manche Betroffene die Behandlung um eine pflanzliche Zubereitung. Was dabei zu erwarten ist und was nicht, erläutern wir bei unserer Formel für gereizte Sehnen.
Wann es keine Sehne ist
Nicht alle Schmerzen am Sprunggelenk stammen von einer Sehne. Kribbeln, Brennen oder Taubheit an der Fußsohle sprechen für eine Nervenenge im Tarsaltunnel unter dem Innenknöchel. Ein tiefer Schmerz im vorderen Gelenkspalt, der beim vollständigen Beugen des Sprunggelenks auftritt und beim Bergabgehen stört, kommt eher aus dem Gelenk selbst. Ein flächiger, ziehender Schmerz ohne einen Punkt, den Sie zeigen können, spricht dagegen für das umgebende Bindegewebe, wo die Regeln für Faszien und Entzündung gelten.
Eine deutliche Schwellung mit Rötung, Überwärmung und Fieber ist kein Überlastungsproblem. Sie kann für eine bakterielle Infektion, einen Gichtanfall oder eine entzündlich-rheumatische Erkrankung sprechen und gehört rasch abgeklärt, besonders wenn mehrere Gelenke betroffen sind.
Und ein Schmerz, der schlagartig während einer Belastung begann, gehört ebenfalls untersucht. An den Peronealsehnen kommen Längsrisse vor, die im Ultraschall gut zu sehen sind und anders behandelt werden als eine reine Überlastung.
Was vorbeugt
Zwei Gewohnheiten wirken für alle drei Sehnengruppen. Erstens: einbeiniger Stand, täglich zwei Minuten pro Seite, gerne beim Zähneputzen. Er trainiert das Zusammenspiel von Muskulatur und Gleichgewicht, das die Sehnen entlastet. Zweitens: Belastungen nicht sprunghaft steigern, weder in der Strecke noch im Gelände.
Und nach einer Bänderverletzung lohnt es sich, das Gleichgewichtstraining länger fortzuführen als bis zur Schmerzfreiheit. Der häufigste Weg zu einer Peronealsehnenreizung führt über ein Sprunggelenk, das nach dem Umknicken nie wieder richtig stabil geworden ist.
Häufige Fragen zur Sehnenentzündung im Sprunggelenk
Was tun bei einer Sehnenentzündung im Sprunggelenk?
In den ersten Tagen die auslösende Belastung reduzieren, kühlen und ein entzündungshemmendes Gel örtlich auftragen. Ein fester Schuh oder eine Bandage nimmt Last von der gereizten Sehne. Ab der zweiten Woche beginnt der Wiederaufbau mit Halteübungen, danach mit langsam gesteigerter Belastung. Bleiben die Beschwerden nach drei Wochen unverändert, gehört der Fuß untersucht.
Wie lange dauert eine Sehnenentzündung im Sprunggelenk?
Bei früher Reaktion drei bis sechs Wochen. Wenn die Beschwerden bereits Monate bestehen, muss man mit drei bis sechs Monaten rechnen, weil sich das Sehnengewebe dann strukturell verändert hat. Die Sehne des hinteren Schienbeinmuskels braucht in aller Regel am längsten, weil sie bei jedem Schritt arbeitet.
Wie fühlt sich eine Sehnenentzündung im Fuß an?
Typisch ist ein Schmerz entlang eines Strangs, nicht an einem Punkt im Gelenk, dazu eine Druckempfindlichkeit über der Sehne und manchmal eine leichte Schwellung. Die ersten Schritte am Morgen sind am unangenehmsten, nach einigen Minuten wird es besser, und gegen Abend kehrt der Schmerz zurück. Bei Bewegung des Fußes gegen Widerstand ist er am deutlichsten.
Wie bekomme ich eine Entzündung aus dem Sprunggelenk?
Über eine Kombination aus drei Dingen: die Belastung ändern, die den Reiz auslöst, die Reizung in der akuten Phase mit Kälte und örtlichen Mitteln dämpfen, und die Sehne anschließend wieder aufbauen. Der dritte Schritt ist der entscheidende und der am häufigsten ausgelassene. Nach einigen Wochen ist im Gewebe meist keine Entzündung mehr vorhanden, sondern eine Strukturveränderung.
Was sind Peronealsehnen und warum entzünden sie sich?
Zwei Sehnen, die hinter dem Außenknöchel um den Knochen herumlaufen und den Fuß gegen Umknicken sichern. Sie werden vor allem nach Bänderverletzungen überlastet, weil sie dann die Aufgabe der geschwächten Bänder mit übernehmen. Auch häufiges Gehen auf unebenem Boden reizt sie. Typisch ist ein Schmerz hinter dem Außenknöchel, der beim Drehen des Fußes nach außen zunimmt.
Was ist eine Tibialis-posterior-Dysfunktion?
Ein Zustand, bei dem die Sehne des hinteren Schienbeinmuskels ihre Aufgabe nicht mehr erfüllt, das Längsgewölbe des Fußes zu halten. Der Fuß sinkt allmählich ein, die Ferse kippt nach außen, und es entsteht ein erworbener Plattfuß. Sie beginnt als scheinbar harmlose Sehnenreizung hinter dem Innenknöchel, und genau deshalb ist es wichtig, sie früh zu erkennen.
Welcher Schuh hilft bei Beschwerden am Sprunggelenk?
Ein Schuh mit fester Fersenkappe, stabiler Sohle und guter Führung des Rückfußes. Sehr weiche, flexible Modelle verlangen der Muskulatur mehr Stabilisierungsarbeit ab und belasten die gereizte Sehne stärker. Bei Beschwerden am Innenknöchel hilft zusätzlich eine Einlage, die das Längsgewölbe stützt und die Ferse aufrichtet.
Quellen
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